Spiritualität - Warum nicht alles was uns verkauft wird spirituell ist.

Ich bin, du bist, wir sind spirituell.


Es gibt natürlich feststehende Definitionen, was Spiritualität bedeutet. Dazu kann man ein Lexikon oder Wikipedia befragen. Oder man liest haufenweise kluge Bücher, besucht Seminare und hört weisen Menschen zu.


Dennoch rennen wir zum größten Teil kopflos herum, halten uns für spirituell, weil wir Yoga praktizieren, meditieren, vegan essen und so erhaben uns selbst reflektieren.


Dabei wird fleissig ausgeblendet, das es ja gar nicht darum geht soviel besser zu sein als der ANDERE. Es geht auch nicht darum in irgendwelche Höhen zu wachsen oder gar auf einmal aus dem Körper in eine Lichtgestalt heraus zu wachsen.


Wenn man all diese Dinge weglässt, fällt uns eventuell auf:


huch, da bleibt ja gar nichts mehr.


Yoga wird wie ein athletischer Hochleistungssport betrieben, oder auch als eine Flucht vor sich selbst genutzt. Veganes Essen wird zu einer Lebensaufgabe, die oft genug jeglichen Genuss verbietet, aber sehr viel Anstrengung und Energie benötigt, zu belehren, sich zu verteidigen und das ganz am Rande ziemlich kreativ zu versuchen auch wirklich im veganen Bereich zu bleiben.


Meditieren, Yogastunden und Satsangs, die uns näher an uns und in die Stille bringen sollen beherrschen unseren eh schon total vollen Stundenplan und wir merken gar nicht mehr, das der EIGENTLICHE Sinn der Übung völlig überlagert wird.


Spirituell zu sein ist ein hochkomplexe Selbstoptimierungsdisziplin, bei der man auf keinen Fall in die falsche Richtung gehen darf. Es gibt enge Grenzen in denen man sich bewegen kann. Das gilt nicht ausschließlich für die christliche Kirche, den Islam oder jede andere Religion. Sogar im Buddhismus gibt es mehr, oder minder strenge Regeln, an die man sich zu halten hat, sonst macht man es ja nicht richtig. Und genau darüber gibt es auch immer eine Kontrolle, ja auch im Buddhismus, die mit strengen Strafen droht. Im schlimmsten Fall mit dem Ausschluss zur Erleuchtung.


Immerhin sind wir darin gut aufgehoben. Egal aus welcher Richtung wir uns dem Spirituellen annähern, Religion oder Tantra, Yoga oder einfach einem Guru folgend, wir wissen genau wohin wir gehen müssen, um dem großen Ziel der Erleuchtung (oder dem Himmel) näher zu kommen.


Es ist einfach Regeln zu folgen, es macht uns sicher zu wissen, "Ah da geht's lang." Ich der/diejenige, der/die es RICHTIG macht." Was hin und wieder so weit geht, das sich verschiedene Gruppierungen scharf angehen, weil sie ja den vermeintlich BESSEREN, RICHTIGEREN Weg gehen.


Wenn du nicht vegan ißt, bist du nicht richtig spirituell! Wenn du kein Hatha-Yoga machst, ist das nicht das richtige Yoga! Gut kann man das in diversen Auseinandersetzungen der unterschiedlichen religiösen Ausrichtungen erkennen.


All das ist viel spiritueller als man glaubt und hat ebenso gar nichts damit zu tun.


Spiritualität ist kein ZIEL das man erreicht.

Es ist ein immerwährender und lebenslanger Weg.


Yoga, Meditation, Tantra, Religion sind nur Hilfsmittel auf diesem Weg.Metaphern und Gleichnisse die uns helfen können, mit dem was uns begegnet, der EIGENTLICHEN ESSENZ des Spirituellen, umzugehen.


All diese Auseinandersetzungen, wer denn nun Recht hat auf seinem Weg, dienen am Ende nur der ERFAHRUNGEN, die wir daraus ziehen. Jeder hat seinen GANZ EIGENEN spirituellen Weg, sogar die, die glauben so gar nicht spirituell zu sein.


Spiritualität ist ERFAHREN, ERLEBEN dessen was ist. Dabei wird das, was wir zu wissen glauben immer wieder auf den Kopf gestellt, unsere Chance die Dinge aus einem anderen Blickwinkel neue zu betrachten und damit neu zu erfahren.


Es ist nicht das Ziel, in die Erleuchtung und den ewigen Frieden zu gelangen. Die Erleuchtung und der ewige Frieden wohnen schon längst in uns. Wir schauen nur immer so knapp dran vorbei, bis auf diese klitzekleinen Momente, in denen wir aus Versehen nichts machen, aus Versehen vergessen, dass es langweilig ist, nicht beschäftigt zu sein, wir aus Versehen mal bei uns sind. DANN erhaschen wir einen Blick auf das was in uns wohnt und wundern uns, wie hell es da leuchtet.

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©2019 Nina Roosen.